Martin Heidrich

Rennberichte - MINI Challenge im Rahmen der Rundstreckentrophy am Salzburgring, 14.-15.10.2011

Freies Training, 14.10.2011

Nun steht das Saisonfinale wie in jedem Jahr am Salzburgring an. Leider erst zwei Wochen später als die Jahre davor, was sich mit den vorherrschenden Asphalt-Temperaturen noch rächen sollte. Nicht dass es geregnet hätte, ganz im Gegenteil. Sonne, Sonne und nochmals Sonne, also herrlichstes Kaiserwetter. Aber dadurch gab es auch in den wolkenlosen Nächten Bodenfrost. Am Freitag stand vor dem eigentlichen freien Training die Rennstrecke für zwei Stunden zum freien Fahren bereit. Natürlich nutzten das fast alle Fahrer, denn in Salzburg zu trainieren ist aufgrund der großen Entfernungen fast aller Teams kaum durchführbar.

Im Freien Training selbst kam ich gut zurecht und belegte den 14. Platz. Das ist nicht so ganz überragend, aber die Zeiten waren schon deutlich besser als beim Freien Fahren und somit waren wir mit unserem Setup auf dem richtigen Weg. Noch bessere Zeiten waren nicht möglich, da mir die linke Antriebswelle einigen Ärger bereitete, da diese ausgeschlagen war. Zwischen den beiden Trainings hatten die Mechaniker nur 20 Minuten Zeit zum Reparieren, Einstellen und Tanken. In der Rekordzeit von 8 Minuten wechselten mein Mechaniker Michael Hauch und Felix Partl, Mechaniker meines Team-Kollegen Max Partl die linke Antriebswelle. Und so konnte ich noch rechtzeitig wieder am Qualifying teilnehmen. Eine tolle Leistung von Beiden!

Qualifying, 14.10.2011

Auch hier keine besonderen Vorkommnisse, ich konnte meine Zeiten deutlich verbessern und erreichte einen guten 12. Platz, hinter H. Littig, J. Weidinger und R. Nehls. Deutlich schnellere Rundenzeiten erreicht man in Salzburg nur, wenn jemand vor einem fährt und man den Windschatten ausnutzen kann. Dazu muss dieser Fahrer dann auch noch bereit sein, seine Runde selbst nicht zu nutzen und vor der Fahrerlagerkurve Platz machen. Da für mich mit dem Gewinn der Meisterschaft in der Gentleman-Wertung so gut wie nichts mehr schief gehen konnte brauchte ich nicht auf der letzten Rille anzugreifen und hatte auch auf das nicht ungefährliche Windschattenfahren verzichtet. Aber natürlich wollte ich ein gutes Ergebnis einfahren und eine gute Ausgangsbasis für das erste Rennen haben, die ich mir so auch geschaffen hatte.

1.Rennen, 14.10.2011

Ich legte einen sehr guten Start hin und konnte sofort den vor mir startenden R. Nehls ausbeschleunigen und mich in der Schikane direkt schon an J. Weidingen hängen. Der ebenfalls vor mir gestartete H. Littig musste aufgrund eines viel zu spät gewählten Bremspunktes die Schikane durch das Kiesbett abkürzen was ihn viel Zeit kostete und so kam ich auch an diesem vorbei. Ebenfalls schob J. Weidinger ohne Not S. Kirsch von der Strecke und so hatte ich Ruck Zuck einige Plätze gut gemacht. Offenbar ist die Schikane der „Lieblingsrempelplatz“ von J. Weidinger, denn im Verlaufe der drei Rennen sollte er hier zwei Mal nach weiteren Kollisionen ausfallen!!! Nach einigen Runden hatte sich J. Weidinger auch wieder an mich herangearbeitet (hier half ihm der Windschatten sehr) und bedrängte mich mehrere Runden lang. In der Schikane nach der Start-/Zielgeraden verpasste so auch ich einmal den Bremspunkt und musste ebenso wie H. Littig beim Start, durch das Kiesbett abkürzen. Als ich wieder auf die Strecke zurück kam, traf mich J. Weidinger recht hart hinten rechts. Er hätte lediglich leicht lupfen müssen und wäre ganz leicht links an mir vorbei gekommen. So jedoch fiel er mit gebrochener Antriebwelle aus. Ich konnte weiterfahren, musste aber aufgrund dieses Malheurs auch noch M. Gamauf passieren lassen, der ein starkes Rennen auf seiner Hausstrecke fuhr. Leider machte meine Antriebswelle vorne links wieder starke Geräusche und so musste ich etwas Tempo rausnehmen, da ich einen Ausfall unbedingt verhindern wollte. Dadurch musste ich in der Schlussphase des Rennens auch noch den stark fahrenden H. Littig passieren lassen. Also kam ich als 10. ins Ziel und wurde zweiter Gentleman. Die Antriebswelle links war schon wieder ausgeschlagen, entweder eine Folge des sehr schnellen Einbaus oder aber ein Materialfehler. Wie auch immer, bis zum nächsten Tag konnte die Welle nun in Ruhe gewechselt werden.

Nach der Siegerehrung sollte es noch mal einige Diskussionen geben. H. Littig und ich wurden jeweils mit einer 30 Sekunden-Strafe belegt (aber erst nach der erfolgten Siegerehrung?!?). Beide aus dem gleichen Grund, nämlich „Herbeiführen einer Kollision“. H. Littig soll angeblich nach dem Start beim Durchfahren des Kiesbetts J. Weidinger angeschoben haben, der nun wiederum gegen S. Kirsch prallte. Anhand meiner Videoaufnahmen von meiner Inboardkamera konnte ich jedoch für H. Littig beweisen, dass zwischen ihm und J. Weidinger noch ca. 1 Meter Platz gewesen ist und sich beide Fahrzeuge nicht annähernd berührt hatten. Der Vorwurf war also nicht gerechtfertigt und die Strafe wurde zurückgenommen. Bei mir ging es ebenfalls um das „Abkürzen“ durch die Schikane, da ich durch das Zurückkommen auf die Strecke J. Weidinger abgeschossen haben sollte. Auf einem Streckenvideo war jedoch zu erkennen, dass J. Weidinger erst nach der Schikane mein Auto am Heck getroffen hatte. Natürlich hatte ich einen Fehler gemacht, aber da J. Weidinger hinter mir fuhr und meinen Fehler sah, hätte er eben leicht lupfen oder sogar bremsen müssen um dieser Kollision auszuweichen. Nur weil einer einen Fehler macht, darf der andere nicht voll auf dem Gas stehen bleiben und in sein Auto fahren. Auch bei mir wurde die 30 Sekunden Strafe wieder zurückgenommen, jedoch wurde ich mit einer Verwarnung belegt. Das ist für mich auch vollkommen O.K., denn den Fehler des „zu spät Bremsens und dadurch durch das Kiesbett Fahrens“ hatte ich ja gemacht.

2.Rennen, 15.10.2011

Nun also startete ich von der 10. Position ins zweite Rennen. Es gab zwei Einführungsrunden, damit wir nach dem nächtlichen Bodenfrost unsere Reifen besser aufheizen konnten um mehr Traktion zu bekommen. Wiederum erwischte ich einen sehr sauberen Start und konnte mich noch vor der Schikane vor H. Littig setzen. Ich war direkt dran an M. Gamauf, Stoßstange an Stoßstange. Es keimte Hoffnung auf, M. Gamauf in der nächsten Kurve zu kassieren. Es wurde jedoch das kürzeste Rennen in dieser Saison für mich, da meine Hinterreifen offensichtlich nicht genügend Temperatur und somit Grip hatten. Beim Anbremsen zur Nocksteinkehre brach mein Auto vollkommen unerwartet aus und ich rutschte ungebremst durchs Kiesbett in die Leitplanke. Ich schlug sehr hart hinten rechts in die an dieser Stelle nicht durch Reifenstapel gesicherte Dreifach-Leitplanke ein. Da wurde mir erst einmal bewusst, wie schnell wir an dieser Stelle fahren. Nun gut, mir ist nichts passiert, aber mein Auto war sehr stark demoliert. So schoss mir vieles durch den Kopf, auch, dass ich nicht mehr zum 3.Rennen antreten konnte und das Wochenende an dieser Stelle schon beendet sei. Die komplette Radaufhängung war herausgerissen worden und die Wucht des Aufpralls lies die Seitenscheibe zerplatzen. Zudem hatte es meinen Sitz samt der Konsolen herausgerissen. Beim Bergen rissen die Helfer noch die komplette Front inkl. des Abschlepphakens und dessen Konsole heraus. Die endgültige Bergung meines Fahrzeugs musste somit verschoben werden und konnte erst nach Beendigung des Rennens erfolgen. Dadurch fehlte uns wertvolle Zeit zum Reparieren.

Für mich war das sehr ärgerlich, aber es kam noch wilder. Bereits in der Schikane hatte sich der von hinten gestartete J. Weidinger mit R. Nehls angelegt, beide flogen ab und schieden aus. Ich kam also noch weiter als diese beiden, aber das war nur ein schwacher Trost. In den darauffolgenden Runden gab es noch mehrere Ausfälle. So flog in der 5. Runde A. Willnich ebenfalls in der Nocksteinkehre ab, kam zurück auf die Strecke und der hinter ihm fahrende K. Pojer krachte ungebremst in sein Auto. Beide fielen aus, konnten auch leider nicht mehr am 3. Rennen teilnehmen. Aufgrund der kollidierten Fahrzeuge wurde das Rennen unterbrochen, damit die Fahrzeuge, die teilweise auf der Strecke standen, geborgen werden konnten. Ich nutzte die Gelegenheit, und eilte zu meinen Mechanikern um den Schaden an meinem Auto zu beschreiben. Bis zum 3. Rennen waren nur 2 Stunden Zeit zum Reparieren und es mussten schon mal vorsorglich einige Teile besorgt werden. Das Rennen wurde wieder gestartet doch schon in der 12. Runde schoss H. Littig den vor ihm fahrenden M. Gamauf wiederum in der Nocksteinkehre ab. Auch diese beiden Autos waren nicht mehr reparabel für das 3. Rennen. Das Rennen wurde nach diesem Unfall abgebrochen. Da bei einem Rennabbruch jedoch die Platzierung der Vorrunde gewertet wird, wurde M. Gamauf 7. und H. Littig als bester Gentleman 8.

Mein Fahrzeug wurde leider erst als letztes geborgen, was wiederum wertvolle Zeit zum Reparieren kostete. Ich fuhr jedoch mit dem LKW mit und ließ mein Auto direkt vor unserem Zelt abladen. Die Mechaniker warteten schon und es wurden alle Kräfte mobilisiert, um das Auto für das 3. Rennen wieder flott zu bekommen. Bei der Radaufhängung wurde mächtig improvisiert, aber letztlich mit dem Segen der Technischen Kommissare regelkonform und sicher repariert. Dazu musste jedoch das Seitenblech aufgeflext werden, aber Hauptsache, ich konnte das Rennen wieder fahren. Eine gebrauchte und bereits ausgemusterte Stoßstange wurde vorne verbaut, da das Montieren der beiden Spoilerlippen zeitlich nicht mehr zu schaffen gewesen wäre. Neue Sitzkonsolen wurden eingeschraubt, das Rücklicht mit Tape fixiert, und, und, und. Jeder half mit. Ein tolles Team! Die beiden Hauptmechaniker, Michael Hauch und Dennis Stoffel leisteten fast übermenschliches und „schusterten“ den Wagen in den verbleibenden 90 Minuten wieder hin. (In einer MINI-Werkstatt hätte das gut und gerne gefühlte 5-7 Tage gedauert). Alle anderen halfen wo es nur ging. Selbst „Mutter Partl“ und „Frau Stoffel“ putzen die Scheiben und die Scheinwerfer. Der Vorstart war bereits eröffnet, die letzten Schrauben wurden angezogen und nun ging es los. Fast: Denn ich tankte noch schnell ein paar Liter Sprit nach während die „Jungs“ noch die Räder und Achsen vermessen mussten. Es war allen klar, die Fahrwerkseinstellungen konnten nicht normal und schon lange nicht optimal sein, aber irgend wie sollte das Auto wohl fahren. Das letzte Rennen der Saison musste ich doch fahren und aus eigener Kraft beenden.

3. Rennen: 15.10.2011:

Natürlich startete ich von ganz hinten (nur fast, da R. Nehls und J. Weidinger noch hinter mir starteten). Während der Einführungsrunde merkte ich schon, dass das Auto nicht so ganz optimal lag. An scheinend war auch der linke Stoßdämpfer defekt, aber das konnten wir vorher nicht mehr überprüfen. Rechts hinten fühlte es sich leicht schwammig an und mein Sitz war mit den neuen Konsolen nicht in der optimalen Position eingebaut und zudem noch leicht schief. Aber trotzdem gelang mir wieder ein super Start und ich zog sofort an den drei Gastfahrern von MINI Deutschland vorbei und blieb auch noch vor den beiden hinter mir gestarteten. In der Schikane drehten sich D. Schön und D. Lauth raus. Beide konnten weiterfahren, jedoch nun hinter mir. Nur nichts riskieren mit diesem krummen Auto war die Devise. Aber leichter gesagt als getan, denn R. Nehls. J. Weidinger und D. Schön drückten von hinten und vorne gab es doch auch noch andere Fahrer zu überholen. J. Weidinger musste ich schnell ziehen lassen, ich selbst kassierte F. Kovac recht schnell. Nun hatte ich schon die von Platz 13 gestartete C. Schuhmacher vor mir und an der wollte ich nun auch noch vorbei. Aber wie gesagt, immer schön piano mit diesem Auto. Aber noch in Runde drei kassierte ich Cora. Leider hatte ich sie nun die ganze Zeit im Nacken, denn wenn immer ich mir einen kleinen Vorsprung herausgefahren hatte, auf der langen Gerade zur Fahrerlager Kurve hin hat sie sich jedes Mal in meinem Windschatten wieder angesaugt. So ging das runden lang. Zwischendurch zog dann noch D. Schön an uns vorbei, jedoch hatte ich dann den Vorteil, dass ich mich in jeder Runde in seinem Windschatten wieder heran saugen konnte und so konnte er mir nicht davonfahren. Mit zunehmender Renndistanz merkte ich, dass D. Schön Probleme beim Anbremsen zunächst einer, dann zunehmend mehrerer Kurven bekam. Und nun hieß es: immer schön dranbleiben und nicht abreißen lassen. Und dann war es drei Runden vor Ende auch soweit: D. Schön bekam in der Nocksteinkehre solche Probleme (ich hatte ihn auch schön nervös gemacht) dass es sich verbremste und durchs Kiesbett fuhr. Es schlüpften auch noch Cora und R. Nehls mit durch, und somit verlor D. Schön glatt drei Plätze auf einen Schlag, die er bis zum Rennende nicht mehr aufholte. Ich konnte die hinter mir fahrenden für den Rest des Rennens doch noch eindeutig auf Abstand halten und beendete dieses Rennen als 12. Auch dieses Rennen wurde in der letzten Runde abgebrochen, da durch eine Rangelei zwischen E. Piro und M. Menden sich letzterer überschlagen hatte. Aus Sicherheitsgründen brach man das Rennen ab. Aufgrund der Wertungssystematik wurde M. Menden als 10. gewertet und somit ist er bester Gentleman in diesem Rennen, auch wenn er erst nach der Siegerehrung zu Fuß in der Boxengasse ankam…

Meinen Gesamtsieg in der Gentleman Wertung fuhr ich also problemlos mit 44 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten E. Piro sehr deutlich ein. Durch meinen Ausfall im zweiten Rennen musste ich den 7. Gesamtplatz der Jahresendwertung noch sehr knapp an Max Partl abgeben. Was aber nicht ganz so schmerzhaft ist, denn immerhin ist er mein Teamkollege und hat hier mal wieder ein fehlerfreies Wochenende absolviert. Und was uns beide dann noch mehr freute: Aufgrund von diversen Ausfällen aus dem Team Frensch Power konnten wir in der Teamwertung noch ganz knapp den 3. Platz einfahren (also: uns freuten nicht deren Ausfälle sondern der Gewinn des 3. Platzes). Das war zwar vor diesem Wochenende zwar rechnerisch möglich, aber nach meinem Ausfall im 2. Rennen für uns nicht mehr realistisch. Aber wie sagt man doch so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!!!

Und an dieser Stelle möchte ich mich beim gesamten Team PIRO Sports recht herzlich für die gute und erfolgreiche Betreuung in diesem Jahr bedanken. Insbesondere bei meinem Mechaniker Michael Hauch, der das gesamte Jahr hindurch fehlerfrei gearbeitet hat. Ich hatte nicht einen technischen Ausfall im gesamten Jahr: Danke Michael!

Einen herzlichen Glückwunsch für ihre tolle Leistungen gehen an dieser Stellen von mir an den Champion der MINI Challenge 2011, Nico Bastian und an den Zweitplatzierten, Hendrik Vieth, der hier in Salzburg alle drei Rennen gewonnen hat. Und nicht vergessen möchte ich den Drittplatzierten Frederik Lestrup und natürlich ein herzliches Dankeschön an alle weiteren Mitstreiter der MINI Challenge und an die Mitarbeiter von PunktEins, die diese Serie toll organisiert haben. Es hat viel Spaß mit Euch gemacht!

Die Party in diesem Jahr war ein absolutes Highlight und ein würdiger Saisonabschluss!

Tschüss bis 2012!!!


Emotionen

"Bester Gentleman des Jahres 2011"
"Platz 8 in der Gesamt­jahres­wertung"
"3. Platz in der Teamwertung zusammen mit Max Partl (haben wir uns noch im aller­letzten Rennen der Saison erkämpft!!!)"